Rechtliche Grundlagen von Versandapotheken in Deutschland

In Deutschland gelten für Internet-Apotheken zunächst die selben rechtlichen Grundlagen wie für alle Apotheken. Die dem Kunden vertrauten niedergelassenen Apotheken werden dabei als „offizine” Apotheken bezeichnet. Für alle Apotheken greift insbesondere das Apothekengesetz (ApoG). Bei der Online-Apotheke handelt es sich um eine der möglichen Formen der Versandapotheke.

Sie erfreut sich immer größerer Beliebtheit, kann der Kunde doch kostengünstig und rund um die Uhr (von Vorteil insbesondere für Berufstätige) das Gewünschte bestellen. Das Problem der Hemmschwelle beim Kauf von z.B. Potenzmitteln in der Apotheke in der Nachbarschaft kann einfach durch die Anonymität des Internets umgangen werden. Auch Jugendliche, die sich noch genieren, Kondome, Gleitmittel oder auch Schwangerschaftstests persönlich zu kaufen, nehmen die Möglichkeit des Onlinekaufs gerne an.

Der Internethandel war für Apotheken in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern noch bis Ende 2003 gesetzlich untersagt. Mit der Novellierung des Arzneimittelgesetzes und des Apothekengesetzes ist das geändert worden, so dass mittlerweile (Stand Jan. 2010) mit etwa 2.200 10 % der stationären Apotheken apothekenpflichtige und verschreibungspflichtige Medikamente deutschlandweit versenden. Das Apothekengesetz ist um die Paragraphen 11a und 11b erweitert worden, welche den Betrieb von Versandapotheken regulieren.

Laut Arzneimittelgesetz (§ 43 Abs. 1 S.1 AMG) in Verbindung mit § 11a ApoG dürfen Versandapotheken, also auch Online-Apotheken nur von Apotheken betrieben werden. Es muss sich also um eine offizine Apotheke handeln, die zusätzlich zu ihren vor Ort angebotenen Diensten die Medikamente deutschlandweit versendet. Die Versandfrist aus dem Inland darf gemäß §11a ApoG maximal zwei Tage betragen. Versand-Apotheken müssen das gleiche Sortiment aufweisen wie Offizin-Apotheken, so dass alle Medikamente in Deutschland lieferbar sind.

Nach §11a ApoG ist ein Qualitätssicherungssystem zu führen, welches u.a. eine Transportversicherung einzuschließen hat und eine ausreichende Beratung durch pharmazeutisches Personal gewährleistet. Hier ist allerdings bei der Gesetzesauslegung viel Spielraum gelassen.

Das Impressum der Internetseite muss die notwendigen Angaben enthalten, zu denen neben der Benennung des verantwortlichen Apothekers und der Postanschrift (kein Postfach!) auch die Aufsicht führende Behörde gehört. Das Originalrezept für die rezeptpflichtigen Medikamente muss an die Internet-Apotheke gesendet werden, und zwar per Post und nicht per Fax. Die Preisbindung für rezeptfreie Arzneimittel ist seit dem 1. Januar 2004 aufgehoben, so dass auch hier gilt “Konkurrenz belebt das Geschäft”. Selbstverständlich dürfen Online-Apotheken, wie die offizinen auch, nur in Deutschland verkehrsfähige und somit zugelassene Arzneien vertreiben.

Alle Versandapotheken müssen sich am Meldesystem für Arzneimittelsicherheit beteiligen und einen Not- und Nachtdienst stellen. Auch das Notfalldepot ist Pflicht.

Insgesamt ist die rechtliche Lage von Online-Apotheken in Deutschland also insbesondere durch das Apothekengesetz, das Arzneimittelgesetz, das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und das Heilmittelwerbegesetz (HWG) geregelt.